In China wurde eine neue Flöte erfunden. Eine japanische Musiklehrerin entdeckte die subtile Schönheit ihrer Klangfülle und brachte sie in ihr Land, wo sie überall Konzerte gab. Eines Nachts spielte er mit einer Gemeinschaft von Musikern und Musikliebhabern, die in einer bestimmten Stadt lebten. Am Ende des Konzerts wurde sein Name bekannt gegeben. Er nahm die neue Flöte und spielte ein Stück. Als er fertig war, herrschte für einen langen Moment Stille im Raum. Dann hörte man die Stimme des ältesten Mannes in der Gemeinde von der Rückseite des Raumes: „Wie ein Gott!“ Am nächsten Tag, als der Meister sich auf die Abreise vorbereitete, kamen die Musiker zu ihm und fragten ihn, wie lange ein erfahrener Musiker brauchen würde, um das Spielen der neuen Flöte zu lernen. "Jahre", antwortete er. Sie fragten ihn, ob er einen Studenten aufnehmen würde, und er stimmte zu.

Nachdem der Meister gegangen war, kamen die Männer zusammen und beschlossen, ihm einen jungen und talentierten Flötisten zu schicken, einen Jungen, der für Schönheit sensibel, engagiert und vertrauenswürdig ist. Sie gaben ihm Geld, um seine Ausgaben und seinen Musikunterricht zu bezahlen, und schickten ihn in die Hauptstadt, in der der Meister lebte. Der Schüler kam und wurde vom Lehrer akzeptiert, der ihm eine einzige und einfache Melodie beibrachte.

Zuerst erhielt er systematische Anweisungen, aber bald meisterte er alle technischen Probleme. Jetzt kam er zu seiner täglichen Klasse, setzte sich und spielte seine Melodie - und alles, was der Lehrer zu ihm sagte, war: "Es fehlt etwas". Der Schüler bemühte sich so gut er konnte, übte stundenlang, Tag für Tag, Woche für Woche, und der Meister sagte nur zu ihm: "Es fehlt etwas". Er bat den Meister, ein anderes Lied zu wählen, aber die Antwort war immer "nein". Monatelang spielte und hörte er jeden Tag „Etwas fehlt“. Die Hoffnungen auf Erfolg und die Angst vor dem Scheitern nahmen zu, und der Schüler pendelte zwischen Aufregung und Entmutigung. Schließlich überkam ihn die Frustration. Er packte zusammen und ging heimlich. Er lebte noch eine Weile in der Hauptstadt, bis sein Geld ausgegangen war. Er fing an zu trinken. Schließlich kehrte er verarmt in seine Heimatprovinz zurück. Er schämte sich, sich seinen ehemaligen Kollegen zu zeigen, und zog in eine Hütte außerhalb der Stadt. Er hatte immer noch seine Flöte, er spielte immer noch, aber er fand keine neue Inspiration mehr in der Musik. Vorbeigehende Bauern hörten ihn spielen und schickten seine Kinder zu ihm, um ihnen Musikunterricht zu geben. Und so lebte er jahrelang.

Eines Morgens klopfte es an seiner Tür. Er war der älteste Meister der Stadt, begleitet von seinem jüngsten Schüler. Sie sagten ihm, dass es an diesem Abend ein Konzert geben würde und dass alle beschlossen hätten, nicht ohne ihn zu spielen. Nach vielen Anstrengungen, seine Angst und Scham zu überwinden, gelang es ihnen, ihn zu überzeugen, und fast wie in Trance griff er zu einer Flöte und begleitete sie. Das Konzert hat begonnen. Als er hinter der Bühne wartete, störte nichts seine innere Stille. Am Ende des Konzerts wurde schließlich sein Name bekannt gegeben. Wütend betrat er die Bühne. Er sah auf seine Hände und stellte fest, dass er sich für die neue Flöte entschieden hatte. Jetzt wusste er, dass er nichts zu gewinnen und nichts zu verlieren hatte. Er setzte sich und spielte dieselbe Melodie, die er in der Vergangenheit so oft für den Meister gespielt hatte. Als es vorbei war, herrschte lange Stille. Dann war die Stimme des älteren Mannes zu hören, die leise aus dem hinteren Teil des Zimmers klang:

"Wie ein Gott!"

 

(Geschichte aus der japanischen Folklore von Stephen Nachmanovitch transkribiert. Livro: Being Creative – die Kraft der Improvisation in Leben und Kunst. São Paulo: Summus, 1993.)

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