Am Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. Die Erde war wüst und leer… Gott sprach: ‚Es werde Licht‘, und das Licht wurde geschaffen (Genesis 1)
Da formte Gott den Menschen aus dem Staub der Erde und blies ihm den Lebensatem in die Nase, und so wurde der Mensch ein lebendiges Wesen. (Genesis 2)
Der Atem, die Atmung, der Klang, die Seele. Sprechen wir bei all diesen Aspekten nicht von ein und demselben Prinzip? Dann lass uns am Anfang beginnen.
Atmung – vom Lateinischen ‚spiritu‘; vom Griechischen ‚Pneuma‘
Spiritu – Bedeutung – Atmung, Geist, Seele
Pneuma – Bedeutung – Atmung, Geist, Seele
In der zeitgenössischen Medizin wird „Pneuma“ als Präfix verwendet, um Krankheiten der Atemwege zu benennen, wie „Lungenentzündung“. Sind Atemwegserkrankungen etwa Krankheiten der Seele?
Es scheint eine alte Verbindung zwischen der Atmung und unserer Seele zu geben. Wenn wir die Schöpfungsmythen der Welt und des Universums in den verschiedensten Kulturen des Planeten betrachten, stellen wir fest, dass der „Schöpfer von allem“ in diesen alten Geschichten oft Klang, Atem, Atmung oder Hauch als Werkzeug zum Erschaffen verwendet.
Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Es war im Anfang bei Gott. Alles ist durch es geworden; und ohne es ist nichts geworden, was geworden ist. (Johannes 1,1-4)
Wenn wir die Wissenschaft der Atmung studieren, fällt uns zuerst auf, dass sie hörbar ist: Sie ist selbst ein Wort, denn was wir Wort nennen, ist nur eine verbale Manifestation der durch Mund und Zunge erzeugten Atmung. Durch die Geschicklichkeit des Mundes wird die Atmung zur Stimme, daher verstehen wir, dass der ursprüngliche Zustand eines Wortes die Atmung ist. Wenn wir sagen: ‚Im Anfang war die Atmung‘, ist das dasselbe wie ‚Im Anfang war das Wort‘. Das erste bekannte Lebenszeichen ist der Klang – und Klang ist auch Wort. (BERENDT, 1993, S. 47)
Wort = Klang = Wort = Atmung = Seele = Gott
Gott hat eine äußere Stimme und hat keine Angst, sie zu benutzen. Aber wenn er gehört werden will, wenn das, was er zu sagen hat, zu wichtig ist, um verloren zu gehen, spricht er oft in einem Flüstern knapp über der absoluten Hörschwelle […] Gottes Flüstern ist sanft, aber es gibt nichts Mächtigeres. (Mark Batterson)
Die Stimme des Geistes ist so sanft wie die westliche Brise, so sanft, dass du sie, wenn du nicht in vollkommener Gemeinschaft mit Gott lebst, niemals hören wirst. (Oswald Chambers)
Das Flüstern ist ein Atem mit einer leichten Prise Klang
Wir können sagen, dass die typische Verwendung des Flüsterns der Geheimhaltung dient. Keine andere Form der Kommunikation ist intimer. Wenn jemand flüsternd spricht, musst du sehr nahe herankommen, um zu hören. Wir neigen uns dem Flüstern zu, und das will Gott. Das Ziel, Gottes Stimme zu hören, ist nicht nur, seine Stimme zu hören; es ist, Intimität mit ihm zu haben. Deshalb spricht er im Flüstern. Er möchte uns so nahe sein, wie es nur göttlich möglich ist! Der Allmächtige könnte dich mit seiner äußeren Stimme einschüchtern, aber er umwirbt dich mit einem Flüstern. Und sein Flüstern ist der eigentliche Atem des Lebens. Hat Gott nicht so Adam erschaffen? Er blies den Staub an und nannte ihn Adam. Adam war einmal ein Flüstern. Du auch! (Mark Batterson)
Zwischen den Tatsachen gibt es das Flüstern. Es ist das Flüstern, das mich beeindruckt. (Die Stunde des Sterns – Clarisse Lispector)
Gottes Atem scheint die Welt hervorgebracht zu haben, aber die Atmung ist auch die erste Handlung, die wir bei der Geburt ausführen, und wird bald durch das Schreien des Babys zu Klang. Sie ist auch die letzte Handlung, die wir vor dem Tod ausführen.
Die Luft ist dem roten Mann kostbar, denn alle Geschöpfe atmen gemeinsam – die Tiere, die Bäume, der Mensch… Der weiße Mann scheint die Luft, die er atmet, nicht wahrzunehmen. Wie ein Sterbender in langer Agonie ist er gegenüber der stinkenden Luft unempfindlich. Aber wenn wir dir unser Land verkaufen, musst du daran denken, dass die Luft für uns kostbar ist, dass die Luft ihren Geist mit allem Leben teilt, das sie erhält. Der Wind, der unserem Urgroßvater seinen ersten Lebensatem gab, empfängt auch seinen letzten Seufzer. Und wenn wir dir unser Land verkaufen, solltest du es als heiligen Ort reserviert halten, als einen Ort, an dem der weiße Mann selbst hingehen kann, um den Wind zu kosten, gesüßt mit dem Duft der Wildblumen. (Auszug aus dem Brief von Häuptling Seattle)
Der Wind ist die Atmung des Planeten
Die Atmung, der Wind, verbinden tierisches und pflanzliches Leben, verbinden die Erde mit dem Himmel: Tiere brauchen Sauerstoff und geben Kohlendioxid ab, während Pflanzen Kohlendioxid brauchen und Sauerstoff produzieren. Die Winde transportieren Wolken und verteilen Regen auf dem Planeten, gleichen Temperaturen aus, transportieren Samen und unglaublicherweise tragen die Winde den Staub der Sahara-Wüste über tausende Kilometer bis zu den Amazonaswäldern; ihr Staub ist reich an Phosphor und wirkt als Dünger für den tropischen Regenwald.
Der Klang ist in allen Handlungen des Menschen implizit. Selbst wenn wir still sind, ist unser Körper voller Klänge: Das Blut, das durch die Arterien fließt, die Herzschläge, die Verdauung der Nahrung. In jedem Teilchen, in jedem Atom bezeugen Klänge, dass wir leben. Selbst nach dem Tod wird der Zerfallsprozess der physischen Struktur durch Dutzende von Klangemanationen markiert. So finden wir den Ursprung in der Magie, die die Spekulationen der Menschen über den Klang umgibt. Seit dem ersten Bewusstseinsakt der Spezies war der Klang der Aspekt, der am meisten Aufmerksamkeit erregte, repräsentiert durch übernatürliche Wesen. Vom Wind, dem Meer und dem Regen war der Klang der Aspekt, der den menschlichen Geist am meisten anregte. Die Notwendigkeit, diese Geheimnisse zu enthüllen, ließ den Menschen seine Stimme und seinen Körper trainieren, um diese magischen Klänge zu reproduzieren und so durch Gesänge, Mantras, Pfeifen, Musikinstrumente und die vielfältigsten Schöpfungen, die die Vorstellungskraft erlaubte, mit den Göttern zu kommunizieren. In diesem evolutionären Akt, als die Gesellschaften begannen, schuf der Mensch Codes zur Kommunikation. Aus der Atmung entstehen Wörter, der Klang wird komplex und gewinnt Bedeutungen.
Immer greift das akustische Element in die Erschaffung der Welt ein, sei es in Form von Heulen (Glaube der alten Ägypter und einiger primitiver Stämme Afrikas), von Atem oder von stimmlichen Klängen, manifestiert in den vielfältigsten klanglichen Möglichkeiten.
In den Mythologien präsentiert sich der Schöpfergott in den unterschiedlichsten Formen. In Afrika ist Mulungu, der Schöpfergott der Kamba, eine Flöte, ebenso wie für die Japaner. Bei den Kato, Pomo und Yuki in Kalifornien ist Gott ein großes Schnarchen; für die Ägypter und Chinesen ist der Schöpfer ein Krokodil, das mit seinem eigenen Schwanz auf den Bauch schlägt, also eine Trommel. Dieses Instrument wird auch in Kleinasien verehrt, als Gott Ea oder Enki. Im Kaukasus wurde die Erde durch den Atem zweier Röhren vom Meer getrennt; in Japan ließ ein heiliges Schilfrohr den Schöpfer entstehen.
Die Upanishaden (heilige Schriften des Hinduismus) wiederholen unermüdlich, dass die Klänge OM oder AUM „unsterbliche und furchtlose“ Silben sind, die die Welt erschaffen. Es gibt eine Übereinstimmung zwischen den Schöpfungsmythen der Hindus und der Christen. Das OM ist das Wort. Bei den Chinesen, Hindus und Christen gibt es auch eine Einheit: In beiden Kulturen entstehen die Schöpfungsmythen aus der klanglichen Emanation. Die irdische Manifestation des chinesischen „Ursprungs-Einen“, des hinduistischen OM und des christlichen Wortes ist ähnlich, eine hörbare Schwingungswelle auf unserem Planeten. Das Buch der Veden sagt: „Im Anfang war Brahma, bei dem das Wort war. Und das Wort ist Brahma.“ Die Tibeter sagen: „Im Anfang war OM.“ Das Evangelium nach Johannes sagt: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“ Diese Zitate bestätigen, dass Gott das Universum durch eine Schwingungsemanation erschaffen hat. Die verschiedensten archaischen Kulturen verwenden Varianten der Silbe OM, um diese Schwingungsemanation auszudrücken. „Der kosmische Klang, durchdrungen von der Essenz des Bewusstseins, ist verschiedentlich bekannt als AUM, AMN, AMEN, AMEEN, OMEN, OMON, I AM, HU, YAHUVAH.“
Die Sumerer glaubten, dass die Götter das Universum mit ihren „mächtigen Befehlen“ erschaffen hätten. In ähnlicher Weise wurden Leben und Materie durch ein heiliges Wort oder heilige Wörter erschaffen, die vom ersten Gott oder den ersten Göttern ausgesprochen wurden, in den Mythen der Hebräer, Kelten, Chinesen, Ägypter, amerikanischen Indianer und der Maya-Quiché […] Dieselbe Idee taucht wieder im pythagoreischen Konzept der Sphärenharmonie auf, ein Konzept, das beträchtlichen Einfluss auf die frühen christlichen und mittelalterlichen Zeitalter ausübte. (Ebenda, S. 224)
Marius Schneider zitiert, dass in der aztekischen Mythologie der Schöpfer unbeweglich und unhörbar war. Müde warf er den Berg in die Ferne und brach sein Schweigen, um die Welt und die Menschen zu erschaffen. „Da sang er: Es werde die Welt! Und die Welt wurde.“ In der christlichen Religion zeigt das „Buch Genesis“, dass mit jedem Befehl, den Gott ausspricht, ein Element des Universums erschaffen wird. Das heißt, das Element wird durch die Schwingungsemanation des gegebenen Befehls erschaffen, durch die Wirkung des Klangs.
Eine Legende der Tibeter besagt, dass der Schöpfungsakt aus dem Wind entstand, der, als er erklang, sich in verschiedene Formen verwandelte.
Im Anfang war der Wind. Mit seiner Bewegung erschuf er die gjatams, die Urformen und das erste Fundament der Welt. Der Wind erklang, und während er Klang war, formte er die Materie. Das Erklingen dieser ersten gjatams entwickelte neue Formen, die durch ihre Klänge wiederum andere Formen erschufen[…] (Ebenda, S. 221)
Nach den kosmogonischen Mythen, in den verschiedensten Formen und Metamorphosen oder unter Verwendung von Blas- oder Schlaginstrumenten, nutzten der Schöpfergott und seine assistierenden Götter den Klang, um den Schöpfungsakt zu vollbringen. Ausgehend von der Atmung, dem wesentlichen Element des Lebens, wurde die Stagnation der Wasser, die Dunkelheit der Nacht oder die Kontemplation unterbrochen, damit alle Formen und Lebewesen durch den Klang erschaffen werden konnten. Welche Form oder welches transformierende Instrument auch immer verwendet wurde, der Schöpfungsakt wird immer als akustisches Phänomen beschrieben. Bis heute gibt es bei den Aborigines und spiritistischen Sekten den Glauben, dass der Kontakt mit den Göttern durch magische Wörter erfolgt, die den Schamanen, Medizinmännern und Medien Heilkraft und die Fähigkeit verleihen, veränderte Bewusstseinszustände zu erreichen. Laut den Hindus ist die schöpferische Silbe OM die Essenz des sáman (Gesang) und des Atems. Das OM ist das Ur-Mantra, aus dieser Silbe entstand nach und nach die gesamte Materie der Welt.
Für sie ist es wesentlich, dass diese Silbe ständig intoniert wird, damit ein Gleichgewicht zwischen diesen Kräften herrscht und folglich das Leben auf der Erde und alle Wesen, die auf ihr sind, im Gleichgewicht bleiben. Indem sie die kosmogonischen Mythen durch Gesänge und Mantras lebendig im Gedächtnis halten, erneuern die verschiedenen Sekten und Mantra-Kulturen den symbolischen Konsum dieser archaischen Kulturen, halten sie am Leben und bringen neue Bedeutungen.
Im Taoismus wird der Atem Qi genannt, er ist mit der Vitalität verbunden, er ist die schöpferische und erhaltende Kraft des Lebens. Die Schriftsprache in China wird durch Symbole oder Ideogramme dargestellt. Die etymologische Bedeutung des
Die meisten Lehren der chinesischen Alchemie erkennen an, dass Qi eine Art metaphysischer Energie ist, die die Natur und alle Wesen umgibt, durchdringt und in ihnen existiert: Das heißt, Qi ist der „Atem der universellen Energie“, der in allem und allen existiert.
Der Zwischenraum zwischen Himmel und Erde ist mit einem Atem gefüllt, dem Qi, in dem der Mensch lebt, wie ein Fisch im Wasser lebt. Dieser gleiche Zwischen- oder Feinbereich wird in Indien Vayu genannt (Wind oder Lebensatem, der Gott des Windes). Vayu ist der Faden (sutra), der alle Welten miteinander verbindet.
Die Struktur des Mikrokosmos ist identisch mit der des Makrokosmos: So wie das Universum durch Vayu verbunden ist, ist der Mensch durch seine Atemzüge, pranas, verbunden,… die die Lebensfunktionen regieren und nicht nur den Atemrhythmus. (CHEVALIER, 2009. S.850)
Ajayô – „ist ein afrikanischer Ausdruck, der Atem des Grußes an Oxalá bedeutet. Er wird oft mit einer ähnlichen Bedeutung wie ‚so Gott will‘ oder ‚hoffentlich‘ gesprochen und verwendet, um jemanden zu grüßen.“
Yoruba-Kosmogonie
Wie in jeder Kultur hat auch die yorubaische Kosmogonie ihre Theorie über die Erschaffung der Welt, der Wesen und das Wirken der Gottheiten in diesem Ereignis. Der große Schöpfungsgott ist Olorun, der höchste Gott. Im Moment vor der Schöpfung war alles, was existierte, eine unendliche Luftmasse. Diese Masse war Olorun selbst. Als er sich langsam bewegte und atmete, ließ Olorun das Wasser entstehen. Aus der Beziehung zwischen Wasser und Luft erschuf er den großen weißen Gott Oxalá, die Gottheit, die die Aspekte der männlichen Energie repräsentiert. Aus der Beziehung zwischen Luft und Erde ließ Olorun Odudua entstehen, die Gottheit, die die Aspekte der weiblichen Energie repräsentiert. In der ständigen Bewegung von Wasser und Luft verfestigte sich ein Teil dieser Materie und bildete einen Hügel aus rötlicher Erde, auf den Olorun seinen Hauch und auch die göttliche Luft blies, damit Exu geboren wurde, die erste lebendige und individualisierte Form des Universums. Odudua erschuf die Welt und Oxalá erschuf den Mann, die Frau und alle Wesen. Zu dieser Zeit war der Himmel nicht von der Erde getrennt, und Menschen und Götter verkehrten frei zwischen den beiden Welten. Aber ein Bauer missachtete eine von Oxalá auferlegte Regel, und dieser wurde zornig und trennte in diesem Moment die beiden Welten, wodurch eine neue Beziehung zwischen Menschen und Gottheiten entstand. Zwischen Himmel und Erde bildete sich eine Lücke, und diese Lücke wurde mit dem Atem von Olorun gefüllt, wodurch die Atmosphäre entstand.
Guarani-Kosmogonie – Der Atem von Tupã
Im Schöpfungsmythos der Guarani wohnte der Gott Tupã anfangs in der Leere, in einer endlosen Dunkelheit. Zuerst erschuf Tupã den Himmel und die Sterne, wo er seine Wohnstätte machte, und darunter erschuf er die Wasser. Dann stieg Tupã von oben in einem großen Wirbelwind herab. Sobald Tupã die Wasser berührte, erschien die Sonne am Bogen des Himmels. Als die Sonne ihren höchsten Punkt erreichte, riss ihre Hitze die Haut von Tupã auf. Und schließlich, als die Sonne auf der anderen Seite des Himmels verschwand, fiel Tupãs Haut von seinem Körper, breitete sich über die Wasser aus und bildete die Länder. Am nächsten Tag erschien die Sonne am Himmel und bemerkte die Veränderung. Die Sonne erreichte wieder ihren höchsten Punkt, und Tupã nahm etwas Lehm, knetete ihn und formte den ersten Menschen. Er blies ihm in die Nase und gab ihm Leben. Der Mensch wuchs und wurde groß wie Tupã, aber er sprach nicht. Der große Gott blies ihm in den Mund, und er begann zu sprechen. Dann blies Tupã ihm die Intelligenz ins linke Ohr und die Weisheit ins rechte Ohr. Auf den Kopf des Menschen zeichnete Tupã die heiligen Strahlen und Donner, die die Gedanken sind. In den Körper des Menschen legte Tupã die Wasser der Emotionen und Wünsche, die sich bewegen, um zu erschaffen oder zu zerstören. Schließlich gab Tupã dem Menschen die Macht, zwischen Erschaffen und Zerstören zu wählen. Nach Abschluss der Schöpfung kehrte Tupã auf seinem Wirbelwind in den Himmel zurück.
Bei den indigenen Völkern des gesamten amerikanischen Kontinents hat der Atem eine starke Repräsentativität in den verschiedensten Aktivitäten des Alltags. Aber hauptsächlich wird der Atem in heiligen Zeremonien, bei Schutz- und Segnungsarbeiten verwendet und kann sogar als Heilmittel zur Behandlung von Ungleichgewichten, zur Entspannung sowie zur Ermöglichung von Reisen durch verschiedene Bewusstseinszustände verwendet werden.
Das Rapé
Rapé ist ein Pulver aus zerkleinerten Kräutern und Tabak, das von indigenen Völkern, hauptsächlich in Brasilien, verwendet wird. Es wird zur Behandlung von Ungleichgewichten, zur Entspannung und auch in Zeremonien als eine Form des Gebets verwendet, das die Kräfte der Natur, den Segen der Waldtiere und die Kraft der Heilpflanzen anruft, um uns zu heilen und Kraft zu geben. Es ist wichtig, diese Substanz in einer respektvollen und auf Heilung ausgerichteten Umgebung zu verwenden. Rapé ist als Medizin des Atems bekannt, da seine Anwendung durch das Blasen dieser Medizin in die Nasenlöcher erfolgt. Diese Anwendung erfolgt mit einem Instrument namens Kuripe oder Tepi, das aus kleinen Stücken Bambus oder Knochen hergestellt wird, sodass eine Selbstanwendung oder eine Anwendung von einer Person auf andere möglich ist. Ein Teil der Kraft dieses Rituals kommt vom Atem selbst und vom Potenzial des Anwenders. In der Regel ruft der für die Anwendung Verantwortliche durch Gesang und Gebet die Energie eines Geistes aus dem Tierreich an, um diesen Atem zu segnen, sodass die geblasene Energie zusätzlich zu der im Pulver enthaltenen Medizin die Kraft dieses Geistes erhält, der in der Lage ist, das Gleichgewicht und die Harmonie zu bringen, die für die Heilung des Empfängers notwendig sind.
Bei den Hupd’ah, nomadischen oder halbnomadischen Völkern des oberen Rio Negro, die in Regionen zwischen Brasilien und Kolumbien leben, stehen schamanische oder heilende Praktiken immer in Verbindung mit dem Atem. Die Segner oder Schamanen beherrschen dieses Kommunikationswerkzeug, das sich von der Alltagssprache unterscheidet, nämlich den Atem und das Murmeln. Während der Praxis werden Verzauberungen durchgeführt, und der Schamane wandert durch verschiedene Dimensionen mittels seiner „Atem-Person“ (Geist), um die Harmonie des Geistes der Person zu suchen, die geheilt wird.
Die Chanumpa
Die heilige Pfeife der Lakota-Völker (Chanumpa) Nordamerikas spielt eine grundlegende Rolle im spirituellen und kulturellen Leben dieses Volkes. Die Symbolik und die Rituale der heiligen Pfeife bilden die Grundlagen der Spiritualität in der reichen Lakota-Tradition. Diese Zeremonie ist jedoch untrennbar mit der moralischen Vorbereitung und der spirituellen Reflexion jedes Einzelnen verbunden, was die Pfeife zu einem wichtigen Symbol macht, das während des gesamten Lebens eines Eingeborenen dieser Nation präsent ist.
Die Flöten
Flöten sind bei den indigenen Völkern ganz Amerikas verbreitete Instrumente und gelten als Symbol der Fruchtbarkeit. Von Nordamerika mit seiner vorderen Pfeifenflöte bis zu den Völkern Südamerikas mit ihren riesigen harmonischen Flöten ohne Löcher und den Andenvölkern mit der Quena-Flöte, Keramikflöten und Panflöten. Die aus dem Atem kommende Musik ist eng mit diesen Völkern und ihren heiligen Zeremonien verbunden.
DIE MUSIK DER ATMUNG
Die Welt, in der wir leben, besteht aus Dualitäten. Für den Taoismus werden diese Dualitäten Yin und Yang genannt, was auch als weiblich und männlich, als negativ und positiv verstanden werden kann. Auch die Atmung ist dual, da wir in einem Moment einatmen und im anderen ausatmen. Derselbe duale Rhythmus ist im Herzschlag vorhanden. Aber in der Welt, in der wir heute leben, verlernt die Gesellschaft das Atmen. Es gibt so viele Aktivitäten, so viele visuelle Störungen, so viel Stress, dass alle ohne Zeit leben, und ihre Atmung scheint in schnellen Intervallen von Brustatmungen zu schwanken. Die Gesellschaft hat verlernt, ruhig zu atmen, den Bauch ruhig zu füllen und ihn während der Ausatmung in einem ebenso langsamen Rhythmus wieder einzuziehen.
Für die Yogis ist die Atmung das Leben selbst, und je langsamer deine Atmung ist, desto länger wirst du leben. Wenn wir verstehen, dass unser Körper ständig Musik produziert, und den Rhythmus dieser Musik beobachten, beginnen wir, unseren Geisteszustand zu verstehen. In der gesamten hinduistischen und buddhistischen Kultur ist die Atmung eine der wichtigsten Pflichten, denn wenn wir unsere Atmung ruhig halten, beruhigen wir den gesamten Rhythmus des Körpers, und seine Körpermusik kommt in Harmonie. Deshalb ist es üblich, zu einer aufgeregten oder verärgerten Person zu sagen: „Atme tief durch.“ Denn eine tiefe Atmung verändert sofort deinen Geisteszustand.
Unsere Atmung ist ein äußerst mächtiges Werkzeug, aber wir können ihr neue „Kräfte“ hinzufügen, wenn wir sie bewusst einsetzen. Die Stimme ist die Darstellung unseres Lebensatems, sie ist eine der Möglichkeiten, der Atmung Kräfte zu verleihen. Und diese Kräfte können auf verschiedene Weise hinzugefügt werden:
- Der Atem ist die Atmung selbst;
- Der Hauch ist eine angetriebene und kräftigere Atmung. (Er kann auch durch Musikinstrumente und andere Werkzeuge verwendet werden)
- Der Hauch, der in Form von Klang austritt, ist die mächtigste Art, seine Atmung zu nutzen.
Blasinstrumente sind daher in allen alten Kulturen der Welt präsent. Flöten mit 4, 5, 8 oder sogar ohne Löcher; Dungchen, die riesigen Trompeten, die von Mönchen auf den Tempeln Tibets gespielt werden; Die mächtige Querflöte der Hindus, die Bansuri oder Venu; Tausende Jahre alte Keramik-Ocarinas, die an archäologischen Stätten in China gefunden wurden. Shakuhachi, die japanische Flöte aus Bambuswurzel; Das Didgeridoo, ein australisches Aborigine-Instrument, dessen Klang durch die Vibration der Lippen erzeugt wird.
Gesänge, Mantras und Musikinstrumente, die eine intensive Atemübung erfordern, sind wichtige Werkzeuge zur Unterstützung der Entwicklung der mentalen, körperlichen, emotionalen und spirituellen Gesundheit. Für die Hindus ist der Gesang die mächtigste Kunst, die es gibt, und in ihrer Kultur geht der Gesang über die Technik hinaus; er ist eine Erfahrung, den eigenen Klang zu finden und sich mit ihm in Einklang zu bringen. In heiligen Zeremonien aller alten Völker sind Gesänge und Blasinstrumente präsent. So ist es nicht schwer zu verstehen, warum die asiatischen Völker ein altes Wissen über die Kräfte der Atmung, des Atems, des Flüsterns und des Gesangs haben. Ihre Techniken gehen über die vordefinierten Regeln hinaus, aber die wertvollsten Regeln sind – der Intuition zu folgen und die Wissenschaft der Atmung zu praktizieren.
Referenzen:
- Coverkunst von: Archenti Flores
- Flüstern: Wie man Gottes Stimme hört – Mark Batterson
- Der Ursprung des Universums und die Klangmythen – Marcos Júlio Sergl
- Ajaiô
- Yoruba-Kosmogonie: die Erschaffung und die Trennung der Welt
- Qi
- Rapé
- Wege des Atems: schamanischer Diskurs und Waldwege der Hupd’äh – Danilo Paiva Ramos
- Guarani-Mythologie – Der Atem von Tupã – Quelle: CLARO, Regina. Encontros de história: do arco-íris à lua, do Brasil à África. São Paulo: Cereja, 2014, S. 4.
- Sacred Pipe of the Lakota Sioux
- HAZRAT, Inayat Khan Sufi. Musik



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Inspirant. Quelles est le rôle des pensées ?